Begriffe, die im Betrieb ankommen.
Wer über KI entscheidet, stolpert zuerst über Vokabular: in Angeboten, in Fachartikeln, im Gespräch mit der IT. Dieses Verzeichnis erklärt die Begriffe, die im Mittelstand tatsächlich vorkommen. Jeder in zwei Teilen: was er bedeutet, und was er für einen Betrieb heißt.
33 Begriffe 5 Gruppen
01 5 Begriffe
Grundlagen
Wie Sprachmodelle arbeiten und was das für die eigene Eingabe bedeutet.
- KI-Fluency
KI-Fluency ist die praktische Fähigkeit, KI-Systeme im Arbeitsalltag sinnvoll zu nutzen, zu steuern, Ergebnisse einzuordnen und bei Unsicherheit oder hohem Risiko an menschliche Prüfung zu eskalieren.
- Long-Ramble-Prompting
Long-Ramble-Prompting ist eine Methode, bei der ein Mensch mehrere Minuten lang bewusst unsortiert Ziel, Hintergrund, Erfahrungen, Präferenzen, Einschränkungen und spontane Gedanken in ein LLM diktiert.
- Prompt Engineering
Prompt Engineering ist das bewusste Formulieren von Instruktionen, Kontext, Beispielen, Einschränkungen und Ausgabeformaten, damit ein LLM eine Aufgabe zuverlässig bearbeitet.
- Prozess vor Chatbot (Chatbot-Problem vs. Prozess-Problem)
Diagnostisches Beratungsmuster für die KMU-Erstberatung: Bevor ein KI-Chatbot gebaut wird, wird geklärt, ob das Problem überhaupt ein Chatbot-Problem ist (Informationen sind klar vorhanden, sollen nur schneller/bequemer abrufbar sein) oder ein Prozess-Problem (unklar, welche Information gültig ist, wer zuständig ist, wie der nächste Schritt aussieht, wo der Vorgang hängt).
- Tokens in Sprachmodellen – einfach erklärt
Ein Token ist ein kleines Stück Text, das ein Sprachmodell verarbeiten kann. Es kann ein ganzes Wort sein, ein Wortteil, ein Leerzeichen mit einem Wortteil oder ein Satzzeichen.
02 9 Begriffe
Agenten und Automatisierung
Vom festen Ablauf bis zum System, das eigenständig Schritte wählt.
- Agentic Engineering
Agentic Engineering ist die disziplinierte Entwicklung von Software, bei der der Mensch nicht mehr selbst Code schreibt, sondern KI-Agenten orchestriert, ihre Umgebung gestaltet und ihr Ergebnis beaufsichtigt.
- Computer-Use-Patterns
Computer-Use (auch Browser-Use) bezeichnet ein KI-Agenten-Pattern, bei dem das Modell einen Bildschirm oder Browser visuell wahrnimmt (Screenshot-Loop) und per virtueller Maus/Tastatur oder DOM-Selektoren eigenständig interagiert – im Unterschied zu API-basierter Tool-Nutzung, die strukturierte Schnittstellen statt einer grafischen Oberfläche anspricht.
- Entscheidungsmodell (System-One-Modell)
Ein Entscheidungsmodell ist ein KI-Modell, das keinen Text erzeugt, sondern vorher festgelegte Fragen zu einer Eingabe mit typisierten Werten beantwortet: Ja/Nein, Auswahl aus einer Liste oder eine Note auf einer Skala, jeweils mit Wahrscheinlichkeit.
- Fünf Stufen der Automation des Entscheidens
Framework zur Einordnung des Autonomiegrades von KI-Anwendungen. Ursprung: Holtel et al. 2017, Projektleitung Stefan Holtel), zitiert in inqa-108-ki-kompass-kmu.
- KI-Agenten
Ein KI-Agent ist ein KI-System, das eigenständig plant, entscheidet, handelt, die eigene Arbeit überwacht und Kontext über Sitzungen hinweg aufrechterhält – im Gegensatz zu einem Chatbot, der nur auf Fragen antwortet.
- Least Agency
Erweiterung des klassischen *Least Privilege* auf die Tool-Ebene agentischer Systeme.
- MCP (Model Context Protocol)
Offener Standard für die standardisierte Verbindung von KI-Modellen mit externen Datenquellen und Werkzeugen.
- Vibe Coding
Vibe Coding bezeichnet eine Art des Programmierens, bei der man sich ganz dem KI-Output hingibt und „vergisst, dass der Code überhaupt existiert“ – man beschreibt das Ziel in natürlicher Sprache, akzeptiert Vorschläge weitgehend ungeprüft und korrigiert nur über weitere Prompts.
- Workflow vs. Agent
KI-Workflow: Vorab definierter Ablauf, in dem LLM-Aufrufe und Werkzeuge über einen festen Pfad (Code, Nodes, Regeln) orchestriert werden.
03 2 Begriffe
Wissen und Daten
Wie eigenes Firmenwissen an ein Sprachmodell angebunden wird.
- RAG (Retrieval-Augmented Generation)
RAG verbindet ein KI-Sprachmodell mit einer externen Wissensbasis: Statt Antworten aus dem Trainingsmaterial zu generieren, sucht die KI zuerst in bereitgestellten Dokumenten und formuliert dann eine Antwort auf Basis der gefundenen Fakten – mit Quellenangabe.
- RAG vs. Wiki-Ansatz
Zwei gegensätzliche Paradigmen, wie LLMs mit Dokumentensammlungen arbeiten.
04 6 Begriffe
Sicherheit
Angriffswege, die es ohne KI nicht gab, und die Grenzen, die sie ziehen.
- Blast Radius
Designgröße für agentische Systeme: der potenzielle Schaden, wenn ein Agent kompromittiert wird.
- MCP-Sicherheitsrisiken
Konzentration der sicherheits- und datenschutzrelevanten Defizite, die sich im Open-Source- und Enterprise-Einsatz von mcp als praxisrelevant herausgestellt haben.
- Memory & Context Poisoning
Angriffsklasse, bei der persistenter Agent-Speicher (Memory, RAG-Vektorstores, geteilter Kontext) so manipuliert wird, dass zukünftige Sessions die kompromittierte Information als legitime Grundlage verwenden.
- Prompt Injection
Angriffsklasse, bei der ein Angreifer bösartige Anweisungen in Eingaben einschleust, die ein LLM oder KI-Agent verarbeitet, sodass das Modell den Anweisungen des Angreifers statt denen des Betreibers folgt.
- Shadow AI (Schatten-KI)
Unautorisierte Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeitende ohne Wissen oder Prüfung durch IT und Datenschutzbeauftragten. Analogie zu „Shadow IT“.
- Zero Trust für agentische KI
Übertragung der Zero-Trust-Prinzipien – *never trust, always verify · assume breach · least privilege* – auf autonome KI-Agenten.
05 11 Begriffe
Recht und Pflichten
Was gilt, wenn KI im Betrieb läuft: Nachweise, Aufsicht, Haftung.
- Art. 50 KI-VO: Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme
Art.
- Berufs- & Geschäftsgeheimnis (§ 203 StGB / GeschGehG)
) unter Strafe. Das GeschGehG schützt Geschäftsgeheimnisse zivilrechtlich.
- BFSG – Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (B2C-Digitalpflicht)
a. Online-Shops, mobile Apps, E-Books, Banking-Dienste, Selbstbedienungsterminals.
- EU AI Act – die drei Nachweiskategorien für KMU
Operatives Minimalset an Dokumenten, das ein KMU (Richtgroesse 50–500 Mitarbeitende, Deployer-Rolle) vorhalten sollte, um eine erste Pruefung durch eine nationale Aufsichtsbehoerde zu bestehen: AI-Literacy-Nachweis, Risikoregister und eine KI-Policy in Minimalversion.
- EU AI Act (KI-Verordnung)
Die EU-KI-Verordnung (AI Act) ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Risikobasierter Ansatz: Regulierungsintensität skaliert mit Gefährdungspotenzial. In Kraft seit 1.
- HinSchG – Hinweisgeberschutz (Meldestelle ab 50 Beschäftigten)
Das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG, Umsetzung RL (EU) 2019/1937) verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe zur Einrichtung einer internen Meldestelle für Hinweisgeber und schützt diese vor Repressalien.
- Human-in-the-Loop (HitL)
Explizite menschliche Freigabe an einer oder mehreren Stellen im KI-gestützten Ablauf. Seit DSGVO (Art.
- KI-Richtlinie im Unternehmen
Eine KI-Richtlinie ist die interne Regel, welche KI-Werkzeuge im Unternehmen mit welchen Daten zu welchem Zweck genutzt werden dürfen, wer das Ergebnis prüft und wer bei Fragen oder Verstößen anzusprechen ist.
- NIS2 – Cybersicherheit für wichtige Einrichtungen
NIS2 (Richtlinie (EU) 2022/2555) ist der EU-Rahmen für Cybersicherheit.
- Produkthaftung für Software und KI
Die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853 behandelt Software, KI-Systeme und SaaS als Produkte und unterwirft sie einer verschuldensunabhängigen Haftung des Herstellers für Schäden an Personen und privat genutzten Sachen.
- Urheberrecht und KI-Training
Die urheberrechtliche Lage generativer KI hat zwei getrennte Seiten.
Ein Begriff erklärt noch keine Entscheidung.
Das Vokabular hilft beim Nachfragen. Ob ein Werkzeug zur eigenen Aufgabe passt, entscheidet sich an Tätigkeit, Daten und Verantwortung.